Ratgeber Depressionen

Informationen und Tipps zu Depressionen

Anzeichen für eine Depression

Als gesunder Mensch denkt man bei Depressionen an suizidgefährdete Menschen, die zudem auch noch vollkommen traurig sind. Sicherlich ist dies zutreffend, aber es gibt noch viele andere Anzeichen bei einem Menschen, der an einer oder mehreren Depressionen leidet.

Traurigkeit können viele Erkrankte nicht mehr empfinden, sondern sie fühlen nur noch eine große Leere in ihrem Leben. Sie leiden unter Antriebslosigkeit und spüren, obwohl sie sich treiben lassen, eine Beunruhigung. Zum Teil nehmen sie nicht mehr am Leben teil und befinden sich in einer Art Apathie. Sie quälen sich mit Konzentrationsschwierigkeiten und können an einem normalen Tagesablauf nicht teilnehmen.

Die Depression hat viele Erscheinungsformen. Alltägliche Verpflichtungen werden nicht mehr wahrgenommen. Die Erkrankten haben Angst davor, dass ihre Umwelt ihnen ansieht, dass sich krank sind. Sie glauben, sie seien anormal und ziehen sich deshalb immer mehr zurück. Bei wenigen Depressiven erkennt man an der Körperhaltung ihr Problem. Sie schleichen in gebückter Haltung. Sie fühlen sich nicht geliebt und vollkommen überflüssig. Diesen Wahnvorstellungen folgt oft eine bodenlose Wut oder gegenteilige unendlichste Aussichtslosigkeit. Jedoch sollte man davon ausgehen, dass das Erscheinungsbild bei jedem depressiven Menschen anders ist. Eine sporadische Antriebslosigkeit muss nicht unbedingt eine Depression sein. Hierzu wendet der Psychologe einen so genannten Depressionstest an.

Kraft- und Antriebslosigkeit

Wenn Menschen den Eindruck erwecken, depressiv zu sein, sprechen sie oftmals langsam und vor allem leise. Sie haben einen erstarrten oder verbitterten Ausdruck im Gesicht. Durch ihre Antriebslosigkeit sind ihre Bewegungen kraftlos und unmotiviert. Sie gehen mit hängenden Schultern, den Rücken gebeugt, und ziehen meistens den Kopf ein. Es ist ein jämmerlicher Anblick. Dabei scheint es, als ob der Erkrankte keinerlei Freude über irgendetwas empfindet. Seine Stimmung ist verzweifelt und er fühlt sich elend.

Meist kommen noch Minderwertigkeitskomplexe und Angstzustände hinzu. Ein Gefühl der Hilflosigkeit wächst im Betroffenen und er denkt an Selbstmord. Mit dem Schwund des Selbstwertgefühls kommen Schuldgefühle auf. Diese hemmen wiederum den Blick nach vorn und somit verliert der Betroffene sein Interesse an sich und seiner Umwelt. Die Symptomatik bei einer Depression liegt vor allem vor, wenn eine fortwährende Trostlosigkeit und eine stetige trübselige Stimmung existiert.

Körperliche Beschwerden

Aber auch körperlich leiden Menschen, die an Depressionen erkrankt sind. Sie klagen über Gewichtsverlust aufgrund von Appetitlosigkeit oder haben Heißhunger auf Kohlehydrate und Süßigkeiten. Da der Geschmackssinn durch die Krankheit nicht mehr funktioniert, erfahren die Patienten ein hohes Begehren an Lebensmitteln, die entweder süß oder salzig sind. Auch auf die Atmung wirken sich Depressionen aus. Der Erkrankte leidet unter einer Enge und einem Druck im Brustkorbbereich, begleitet von angestrengtem Keuchen oder flachem Atmen. Der Betroffene meint, er könne schlecht sehen, ohne dass eine Ursache zugrunde liegt. Er findet keine passenden Brillen für seine Augen. Er klagt über Lichtempfindlichkeit und entzündete Augen. Auch auf die Blase schlägt sich eine Depression häufig nieder. Neben häufigem Harndrang treten Schmerzen durch die gereizte Blase auf.

Verschlimmerung durch Schlafprobleme

Depressive Menschen schlafen entweder schlecht ein oder haben Durchschlafschwierigkeiten. Die einen klagen über morgendliche Startschwierigkeiten, andere wiederum erwachen nachts durch Alpträume. Diese Schlafstörungen sind durch die Unstimmigkeit der inneren Regelmäßigkeit verursacht. Das prägnante Morgentief verändert sich im Laufe des Tages zum Besseren. Am Abend ist alles wieder im Lot. Aber die Stimmung kann auch anders herum sein. Während man morgens einigermaßen fit ist, wird die Stimmung tagsüber umgewandelt und man fällt abends in ein psychisches Tief.

Schwere physische Leiden

Oftmals werden von den Patienten ein Stechen oder ein Druck in der Herzgegend beschrieben. Es kommt zu starkem Herzklopfen bis hin zum Herzrasen. So sind auch im HNO-Bereich Störungen zu verzeichnen. Der sprichwörtliche "Kloß im Hals" oder das Auftreten von Tinnitus lassen auf eine Depression schließen. Bei manchen Patienten machen mit einem Mal "die Knie schlapp" - sie haben Kreislaufstörungen. Hoher Blutdruck kann die Folge einer Depression sein. Verspannungen im Schulter- oder Nackenbereich deuten ebenso auf eine Erkrankung hin wie unerklärliche Schmerzen. Ganz besonders kommt es im Magen- und Darmbereich zu Beschwerden. Neben Übelkeit und Sodbrennen hat der Depressive große Probleme mit Verdauungsstörungen.

Auch leidet das vegetative Nervensystem unter anhaltenden Depressionen. Der Betroffene hat Hitzewallungen oder es schauert ihm vor Kälte. Meist leidet er unter kalten Händen oder Füßen. Er hat Blutdruckschwankungen und fröstelt ungewöhnlich schnell. Grundlose Schmerzen im Kiefer- und Zahnbereich sowie das nächtliche Zähneknirschen machen auf eine Depression aufmerksam. Letztendlich hat der depressive Patient das Gefühl, ausgebrannt zu sein. Er verliert das Zeitgefühl und ist ängstlich, insbesondere vor einer unheilbaren Krankheit. Er ist entscheidungsunfähig und leidet unter Sexualverlust. Er möchte sich nur noch selbst schädigen, wobei dies auf einen geplanten Suizid hindeutet.

Unterschiedliche Stärke der Symptome

Es gibt also viele verschiedene Formen von Depressionen. Die Symptome brauchen nicht gleichzeitig und bei allen Betroffenen gleichermaßen aufzutreten und sind auch nicht gleich stark ausgeprägt. Manchmal sind die Störungen da und dann auch wieder verschwunden. Da die Depression eine psychische Krankheit darstellt, hat sie dennoch Auswirkungen auf den Körper. Man spricht von einer Gesamterkrankung des Menschen.

So ist zum Beispiel die Antriebslosigkeit ein Zeichen einer Depression. Der Mensch ist fähig, durch seinen eigenen Antrieb sein Leben zu meistern. Der Depressive sieht sich außerstande, auch nur seine Wohnung aufzuräumen. Der Gang zu einem Arzt stellt sich für den Betroffenen als unüberwindbares Hindernis dar. Sogar die eigene Körperpflege vernachlässigt er, weil er es nicht schafft, sich selbst anzutreiben. Gut ist, wenn der Erkrankte Angehörige oder Freunde hat, die ihm helfen, sich wieder selbst zu helfen. Die Hilfe basiert auf einer Zusammenarbeit mit dem Psychotherapeuten.

Sich nicht mehr freuen können

Freude zu empfinden, ist für einen depressiven Menschen sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Über Wochen und Monate fühlen die Kranken keine Freude an Dingen, die sie vor der Erkrankung gemacht haben. Jeder Spaß ist verloren gegangen. Am liebsten wäre es ihm, für immer im Bett zu bleiben. Er kann nichts mehr genießen, weder ein gutes Essen noch einen besonderen Film im Fernsehen.

Um aus diesem Dilemma herauszukommen, wollen die Betroffenen ihre Gefühle verändern und das geschieht durch die Einnahme von Drogen oder Alkohol. Auch Medikamente werden dann genommen. Doch diese Mittel helfen nur bedingt, denn die Depression kommt wieder. Diesmal stärker als vorher, denn durch die Schuldgefühle, etwas eingenommen zu haben, verschlimmert sich die Depression. Durch diesen Teufelskreis entsteht ein mangelndes Selbstwertgefühl und man ist des Lebens überdrüssig. Der Erkrankte leidet unter Realitätsverlust und Selbstvertrauen. Seine Fähigkeit, etwas zustande zu bringen, schwindet zunehmend. Er fühlt sich als Versager und ist der festen Überzeugung, nicht mehr geliebt und gebraucht zu werden.

Angst steigt in ihm auf und wird sein ständiger Begleiter. Hinzu kommen Verlustängste, die gepaart mit zu erwartender Einsamkeit bei ihm körperliche Beschwerden auslösen. Schmerzen in der Herzgegend und Atemnot weisen auf eine wachsende Angst hin. Der Meinung zu sein, dass Fehler nie wieder gut gemacht werden können, lässt die Angst weiter steigen. Der berühmte "Kloß steckt dann im Hals" und macht das Atmen schwerer.

Entstehung der Suizidgefahr

Wenn ein Patient sehr lange und umfassend einen niedergedrückten Eindruck macht, so deutet das auf das wesentliche Symptom einer Depression hin. Äußerliche Auslöser wie zum Beispiel Krach oder Wut sollte man nicht mit einer längerfristigen veränderten Gemütslage verwechseln. Depressionen sind entweder schleichend: Der Mensch verändert sich langsam, oder die Krankheit tritt auf einem Mal auf. So bestimmt die Depression das Leben eines Menschen, ohne dass dieser sich dagegen wehren kann.

Bei depressiven Menschen taucht oft die Frage auf, warum sie überhaupt noch leben. Denn ihnen erscheint ihr Leben sinnlos und leer. Sie fühlen sich überflüssig und können sich nicht von den Gedanken befreien. Sie denken an Selbstmord. Das führt dazu, dass sie sich nur noch damit befassen, wie sie sich am besten selbst töten können. Es werden Tabletten gesammelt oder Ausschau nach hohen Gebäuden gehalten. Anfangs wirkt diese Todessehnsucht noch ungenau, aber mit zunehmendem Nachdenken wird die Einbildung immer größer und man entwickelt einen immer genaueren Plan. Laufend kreisen die Gedanken um den Suizid.

Bei einem Patienten dauert diese Entwicklung länger als bei dem anderen. Wenn der Selbstmord verübt wird, gibt es dem Betroffenen ein Gefühl der Ruhe. Er fühlt sich befreit vom Druck des Lebens. Angehörige oder Freunde stellen plötzlich fest, dass der Erkrankte auf dem Weg der Genesung ist, aber dies ist ein Irrtum. Der Patient hat einen Entschluss gefasst, der gnadenlos verfolgt wird. Bei einer Depression darf niemals das Risiko eines Selbstmordes ausgeschlossen werden, denn immerhin führen ca. 10 % der schwer Depressiven einen oder mehrere Versuche durch.

Die Unfähigkeit, Gefühle zu empfinden

Eine andere Form von Depression ist die Unruhe, die eine Erkrankung durch überdrehtes Auftreten, verbunden mit übertriebener Gestik, ausweist. Dieses Symptom ist von Angehörigen, aber auch teilweise von Ärzten, nicht erkennbar. Für den Betroffenen jedoch ist es ein Gefühl des Zerreißens. Bei der Gefühllosigkeit spürt der Erkrankte überhaupt nichts mehr. Er verfügt über keinerlei Energie, ist mut- und lustlos und wie verhärtet. Selbst die Erinnerung daran, dass der Patient einmal Hoffnung hatte und Spaß, hilft nicht, da er sich nicht vorstellen kann, jemals etwas empfunden zu haben.

Damit er aber in der Gesellschaft nicht auffällt, spielt er Gefühle vor: Das Lachen auf Knopfdruck ist aber kein richtig empfundenes Lachen. Da spielt ihm die Depression einen Streich. Mangelnder Appetit kann auch eine Form von Depression sein. Weil die körperlichen Funktionen sich durch die sinkende Aufnahme von Nahrung und Getränken mindern, spricht der Fachmann auch vom "Winterschlaf". Oftmals nehmen die Betroffenen bis zu 10 Kilogramm ab und wirken krank und lethargisch.

Depressive Menschen leiden zum größten Teil unter Schlafmangel. Ausgelöst durch eine Dysfunktion des inneren Rhythmus können sie nicht mehr durchschlafen. Die innere Uhr ist verstellt. Hinzu kommen noch Beschwerden wie Mundtrockenheit oder ein Brennen auf der Zunge. Auch die Nasenschleimhäute sind betroffen.

Verdauungsprobleme

Besonders problematisch wird es für depressive Menschen, wenn sich die Krankheit auf den Magen-Darm-Trakt auswirkt. Neben Schmerzen im oberen Bereich des Bauches kommt es auch zu Übelkeit, verbunden mit Brechreiz. Auch wurden Obstipationen oder Diarrhöen beobachtet. Ärzte diagnostizieren jedoch meist eine Begleiterscheinung der eingenommenen Medikamente, obwohl es sich bei den Anzeichen um typische Wirkungen der Depression handelt.

Verringerter Sexualtrieb

Depressive Menschen entbehren auch ihr gesundes Verlangen nach Sex. Erektionsprobleme oder trockene Schleimhäute sind nicht selten an der Tagesordnung. Dadurch verliert der Depressive die Lust an seiner Sexualität. Da Sex für ihn nicht mehr wichtig ist, schwindet sein Selbstwertgefühl. Er glaubt, dass er seinem Partner nicht mehr genügt und ihn dadurch verlieren wird. Die Angst davor und die Gewissheit, alleine zu sein, lassen ihn nicht mehr los. Je mehr Angst er bekommt, desto schwächer wird sein Verlangen nach Zärtlichkeit und Nähe. Andererseits kann ein depressiver Mensch genau in das Gegenteil umschlagen. Da er versucht, die Leere in seinem Leben aufzufüllen, will er sich mit Sex selbst beweisen.

Schwierige Entscheidungen

Entscheidungen für sein Leben zu treffen fällt einem depressiven Menschen besonders schwer. Manchmal kann er aufgrund von langem Grübeln und aus der Unsicherheit heraus sein Leben überhaupt nicht mehr meistern. Eine klare Entscheidung kann er nicht treffen, denn er hat vor den Folgen enorme Angst. Diese Angst nimmt ihm letztendlich den Willen, ein Ziel anzupeilen. Immer wieder fragen sich die Betroffenen, was wird wann eintreten, wenn dieses oder jenes gemacht werden soll.

Durch das Grübeln verliert ein Kranker auch sein Zeitgefühl. Er glaubt, dass die Zeit stehen bleibt. Selbst wenn er durch Einnahme seiner Medikamente weiß, dass dieser zeitlose Zustand sich dann ändern wird, vernachlässigt er diesen Vorgang. Für einen depressiven Menschen sind einige Wochen eine Unendlichkeit. Was aber den meisten Patienten ein riesiges Problem macht, ist die Angst vor der zunehmenden Leere im Kopf. Sie glauben, dass sie immer dümmer werden, weil die Depression den Denkprozess verlangsamt. Auch der Glaube an einen Hirntumor oder an Alzheimer bringt die Befürchtung, seinen Verstand zu verlieren.

Chronische Erschöpfung

Stress und Überforderung, ausgelöst durch ein Sich-unter-Druck-setzen, kann ebenfalls eine Depression sein. Der Betroffene leidet unter einem Erschöpfungssyndrom und ist sehr müde. Krisen treten dann nicht nur in der Partnerschaft, sondern auch im beruflichen Leben auf. Da einem depressiven Menschen nicht bewusst ist, warum er körperlich und seelisch leiden muss, denkt er an eine unheilbare Krankheit.

Die Angst davor schürt erst recht die Depression und es treten weitere Störungen auf. So stellt der Patient fest, dass er unheilbar krank sein muss. In dieser Situation dreht sich der Kreisel, denn je mehr der Patient damit rechnet, dass er krank ist, desto mehr Symptome treten auf. Hier müssen psychotherapeutische Maßnahmen durch einen Neurologen oder einem Psychologen sofort ergriffen werden.

Es ist auch hilfreich gegen sich anbahnende Depressionen die richtigen Hobbys zu finden, die einem Spaß machen, wie z. B. Musik hören, T-Shirt drucken, Lesen oder mit Freunden etwas unternehmen.