Ratgeber Depressionen

Informationen und Tipps zu Depressionen

Behandlung von Depressionen mit der Tiefenpsychologie

Tiefenpsychologische Verfahren zur Behandlung von Depressionen gehen in erster Linie auf den Arzt Sigmund Freud und auf seine Psychoanalyse zurück. Aber auch die analytische Psychologie, die vor allem durch den Psychologen C. J. Jung repräsentiert wird, wirkt bei diesem Verfahren mit. Aber nicht nur die klassische Psychoanalyse kommt hier zur Anwendung, sondern auch andere Verfahren, wie zum Beispiel die tiefenpsychologische Kurzzeittherapie, die tiefenpsychologische Psychotherapie und die tiefenpsychologische Gruppentherapie.

Die klassische Psychoanalyse

Diese Methode ist in jedem Fall die älteste und höchstwahrscheinlich auch die berühmteste Methode der Psychotherapie. Bei der Psychoanalyse soll der Patient alle seine Gedanken, Gefühle, Triebe und sonstigen Empfindungen ohne Rücksicht auf jegliche moralische oder ethische Grenzen äußern. Dem behandelnden Analytiker fällt zunächst die Rolle des passiven Zuhörers zu. Der Patient kann ihn während seiner Ausführungen nicht sehen, das heißt er sitzt nicht im Blickfeld des Erzählenden. Dies führt letzten Endes dazu, dass der Patient sich wieder über vergangene Gefühle und Empfindungen bewusst wird und diese wahrnimmt.

So soll der Patient sich innerlich ändern, um es wie Aristoteles zu sagen: Der Patient durchläuft eine Kartharsis, also eine innere Reinigung. Das Ziel der Psychoanalyse ist dann erreicht, wenn eine Reifung und eine Veränderung der Persönlichkeit des Patienten herbeigeführt worden ist. Dies kann bei jedem Patient unterschiedlich lange dauern. Es kann sogar mehrere hundert Stunden und bis zu fünf Jahre dauern, um dieses Ziel vollständig zu erreichen.

Nimmt man einmal alle tiefenpsychologischen Behandlungen zusammen, so macht die Psychoanalyse in etwa sieben Prozent aller Behandlungen aus. Bevor diese allerdings wirksam angewendet werden kann, muss der entsprechende Psychoanalytiker ein Gutachten erstellen, aus dem für die Krankenkasse ersichtlich ist, dass eine solche Behandlung auch wirklich notwendig ist. Besteht in der Tat eine Notwendigkeit für die Durchführung einer Psychoanalyse, so bezahlt eine Krankenkasse in der Regel bis zu 300 Stunden Therapie.

Es erfolgt also eine Kostenübernahme seitens der Krankenkasse wirklich nur dann, wenn auch eine begründete Notwendigkeit für den Patienten besteht. Akute Depressionen werden heute in der Regel hauptsächlich mit einer so genannten tiefenpsychologischen oder auch psychoanalytischen Psychotherapie, mit einer psychoanalytischen Kurzzeittherapie oder einer psychoanalytischen Gruppentherapie behandelt.

Die psychoanalytische Psychotherapie

Um eine solche psychoanalytische Psychotherapie durchführen zu können, muss sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit sie letzten Endes erfolgreich sein kann. So muss sie vor allem da ansetzen, wo der Patient seine Probleme hat. In der Regel werden dies bestimmte Belastungen oder zurzeit ausgetragene Konflikte sein. Die eigene Biographie des Patienten ist in diesem Zusammenhang natürlich außerordentlich relevant, allerdings steht sie bei dieser Form der Behandlung nicht im primären Bereich. Das Ziel dieser psychoanalytischen Psychotherapie ist die Bewältigung oder zumindest die Verbesserung der aktuell bestehenden Probleme. Was hier eindeutig nicht Ziel der Behandlung ist, sind Eingriffe in die tiefergehende Persönlichkeitsstruktur des Patienten. In der Regel wird es so sein, dass der Patient seinem Therapeuten gegenüber sitzt, der im übertragenen Sinne als Pendant zur Lebenswelt des Patienten wird.

Doch wie lange dauert eine solche Therapie eigentlich und werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen? Eine derartige Therapie wird ungefähr mit einer, maximal zwei Sitzungen pro Woche mit fünfzig Minuten angesetzt. In der Gesamtanzahl der Stunden wird die "Hundertermarke" in der Regel nicht überschritten. Das bedeutet also, dass für eine solche Behandlung normalerweise zwischen fünfzig und hundert Sitzungen ausreichend sind. Die Kosten für eine solche psychoanalytische Psychotherapie übernehmen heutzutage die Krankenkassen, da es mittlerweile stichhaltige Beweise dafür gibt, dass diese Therapie den Patienten einen großen Nutzen bringt.

Was ist die so genannte psychodynamische Kurzzeittherapie?

Die so genannte psychodynamische Kurzzeittherapie ist, wie der Name auch schon richtig andeutet, auf eine eher kurze Zeit angelegt. Kurze Zeit meint hier in diesem Zusammenhang ungefähr zehn bis vierzig Stunden insgesamt. Normalerweise stellt sich diese Therapie so dar, dass in den ersten Stunden ein Problem des Patienten zu Tage gefördert wird und dieses in den nachfolgenden Sitzungen nachhaltig behandelt wird. Auch für die Behandlung von Depressionen spielt die psychodynamische Kurzzeittherapie eine große Rolle. Dies ist nämlich genau dann der Fall, wenn als Ursache für die Depressionen eine zeitlich stark eingegrenzte Krise ausgemacht werden kann. Dies kann zum Beispiel eine plötzliche Arbeitslosigkeit oder aber die Trennung von einem Partner sein.

Eine solche psychodynamische Kurzzeittherapie wird dann von der Krankenkasse übernommen, wenn ein gekürztes Gutachterverfahren über die Notwendigkeit dieser Therapie vorliegt. In der Regel übernimmt eine Krankenkasse dann bis zu fünfundzwanzig Stunden dieser Therapie. Diese Regelung greift allerdings in dieser Form nur bei den öffentlichen Krankenkassen. Bei den privaten Krankenkassen gestaltet sich diese Frage um einiges vielschichtiger. So übernehmen zum Beispiel einige private Krankenkassen die Kosten dieser Therapie nur aufgrund eines Gutachtens, andere Krankenkassen wiederum zahlen auch ohne Gutachten eine pauschale Anzahl von Stunden für die Therapie.

Die psychoanalytische Krisenintervention

In vielen Fällen, bei denen eine Depressionen auftritt, ist es von Nöten, dass ein Therapeut unmittelbar nach Beginn der Depressionen eingreift, um Schlimmeres zu verhindern. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn abzusehen ist, dass eine Krise unter Umständen nicht alleine vom Betroffenen durchgestanden und überwältigt werden kann. In einer solchen Situation benötigt ein Patient eine Orientierung, die ihm hilft, seine Gefühle zu ordnen und zu verstehen. Meist reichen zu diesem Zweck wenige Therapiestunden aus, an die sich allerdings oft eine Psychotherapie anschließt.

Die psychoanalytische Gruppentherapie

Voraussetzung für eine solche Therapie ist die Bereitschaft des Patienten, sich in einer Gruppe zu äußern. Der Therapeut nimmt sich meist die gesamte Gruppe vor und nicht einzelne Patienten.