Ratgeber Depressionen

Informationen und Tipps zu Depressionen

Typische Störungen bei depressiven Kindern

Wie eine Depression bei einem Kind verläuft und welche Symptome und Störungen es zeigt, hängt zu einem großen Teil davon ab, wie alt es ist.

Das erste Lebensjahr

Nichts ist so hilflos wie ein neugeborenes Kind. Die Ursachen für spätere Depressionen nehmen ihren Anfang schon in den ersten Lebenstagen und -wochen eines Menschen. Säuglinge, die der Mutter weggenommen werden, weil sie vielleicht schwer krank sind oder auch zur Adoption freigegeben werden, erleiden einen Schock. Sie verlieren schon am Anfang ihres Lebens ihre wichtigste und ihre engste Bezugsperson: die Mutter.

Es kommt zu einem Mangel an Geborgenheit, Zuwendung und Liebe, drei Dinge die ein neugeborenes Kind am meisten braucht. Fehlt es an diesen elementaren Dingen, werden viele Neugeborene apathisch, sie trinken schlechter als gleichaltrige Kinder und nehmen infolgedessen kaum an Gewicht zu. Sie wachsen nicht richtig und bleiben in ihrer gesamten Entwicklung hinter anderen Kindern zurück. Um zu verhindern, dass zum Beispiel zu früh geborene Kinder dieses Trauma erleiden, können viele Mütter auf der Intensivstation ihre so genannten "Frühchen" stundenweise im Arm halten. Diese "Känguru Methode" hat sich bewährt.

In Studien wurde nachgewiesen, dass besonders Frühgeborene, die einen regelmäßigen Kontakt zu ihrer Mutter hatten, sich besser und schneller entwickelt haben als Kinder, die nur im Brutkasten ohne den notwendigen Kontakt zur Mutter waren. Auffallend ist auch, dass viele Kinder, die unmittelbar nach ihrer Geburt zur Adoption freigegeben wurden, in späteren Jahren schwere Depressionen bekamen.

Depressionen bei Kleinkindern vom ersten bis dritten Lebensjahr

Die wichtigsten Jahre im Leben eines Kindes sind die drei ersten Lebensjahre. In dieser Zeit lernen Kinder so viel wie später nie wieder: die ersten eigenständigen Schritte, die ersten Worte und vor allem ein emotionales und auch ein soziales Bewusstsein. Aber sie brauchen in diesen ersten drei Lebensjahren auch eine enge Bezugsperson, die sie anleitet, unterstützt und vor allen Dingen ermutigt und lobt. Fehlt einem Kind diese enge Bezugsperson, kann sich eine frühkindliche Depression entwickeln.

Fehlen in dieser wichtigen Zeit Geborgenheit, Liebe und Zuwendung, reagieren Kinder auf unterschiedliche Weise. Sie lernen zum Beispiel wesentlich später frei laufen und suchen auch später immer noch Halt, ihr Gang bleibt unsicher, sie lernen später sprechen und leiden häufig unter Sprachstörungen, wie zum Beispiel Stottern.

Kleinkinder mit depressiven Störungen essen schlecht und sind fast immer untergewichtig. Sie schlafen schlecht, werden oft in der Nacht wach und weinen. Depressive Kleinkinder können sehr schlecht allein in einem Zimmer sein und suchen ständig nach einem Menschen, an dem sie sich festhalten können, ihre Feinmotorik ist schlecht oder gar nicht ausgebildet.

Kinder, die in den ersten drei Lebensjahren keine ständige Bezugsperson haben, von ihren Müttern verlassen oder abgelehnt werden, neigen zu Selbstverletzungen. Sie reißen sich ihre Haare aus, andere rennen mit dem Kopf ständig gegen Wände oder kratzen sich blutig. Andere Kinder werden völlig teilnahmslos, schaukeln stundenlang im Sitzen hin und her und weigern sich zu essen oder zu sprechen. Dies alles sind Anzeichen für eine frühkindliche Depression, die sich in den späteren Lebensjahren zu einer schweren Depression entwickeln können.

Depressionen im Kindergartenalter

Ein Kind, dass im Kindergartenalter depressiv wird, weißt ähnliche Symptome wie ein Kind im Kleinkindalter auf, nur kommen in diesem Alter die sozialen Komponenten hinzu. Diese Kinder können sich nur sehr schwer von Vater und Mutter trennen, sie haben große Verlustängste und klammern sich an ihre Eltern. In einem Alter, in dem andere Kinder anfangen, in einem gewissen Umfang selbstständig zu werden und vor allen Dingen sehr neugierig auf ihre Umwelt sind, ziehen sich Kinder mit depressiven Störungen immer mehr in ihre eigene Welt zurück. Sie kapseln sich ab und sind nicht in der Lage, mit anderen Kindern zu spielen.

Einige reagieren mit Zorn und Wut auf gleichaltrige Kinder, sie schlagen grundlos, stören die anderen bei ihrem Spiel oder zerstören es sogar. Sie sind nicht in der Lage, sich in einer sozialen Gemeinschaft zu integrieren. Treten bei diesen Kindern Depressionen auf, verlieren sie unter Umständen bereits erlernte Fähigkeiten auf motorischer und intellektueller Ebene wieder. Viele bekommen plötzlich Schwierigkeiten sich zu artikulieren, haben Gleichgewichtsstörungen, zum Beispiel erlernen Kinder mit Depressionen nur sehr schwer Fahrrad zu fahren, sie lutschen am Daumen oder sie machen plötzlich wieder ins Bett.

Viele Symptome bei Kindern im Kindergartenalter ähneln denen erwachsener Erkrankter. Sie fühlen sich isoliert, nicht verstanden und vor allem fühlen sie sich nicht geliebt. Denken erwachsene Menschen mit Depressionen, dass kein Mensch sie wirklich liebt und keiner etwas mit ihnen zu tun haben möchte, gehen Kinder davon aus, dass die anderen Kinder sowieso nichts von ihnen wissen wollen. Jede vermeintliche Zurückweisung treibt Kinder in diesem Alter noch tiefer in eine soziale und emotionale Depression.

Depressionen bei Kindern zwischen dem sechsten und zwölften Lebensjahr

Bei Schulkindern zwischen ihrem sechsten und zwölften Lebensjahr treten die psychischen Symptome einer depressiven Störung schon deutlicher hervor. Ähnlich wie bei erwachsenen Kranken, fühlen sich auch Kinder im Schulalter oft niedergeschlagen und reagieren in vielen alltäglichen Situationen mit grundloser Angst. Da sie aber aufgrund ihres Alters auf geistiger Ebene weiter entwickelt sind als kleinere Kinder, fangen sie an, über sich selbst und ihre schwankenden Stimmungen nachzudenken. Diese Selbstanalyse führt dazu, dass depressive Schulkinder häufig Schuldgefühle entwickeln, übertriebene Selbstkritik üben und sich immer mehr von der Außenwelt abkapseln.

Sie haben häufig Hemmungen in ihrem Denken, sind ohne Motivation und interessieren sich nicht für alterstypische Dinge. In der Schule treten häufig Konzentrationsschwierigkeiten, sogar Lernblockaden bis hin zur Legasthenie auf. Außerhalb der Schule können Kinder mit Depressionen ihre Freizeit nicht sinnvoll gestalten und haben oft kaum Kontakt zu anderen Kindern in ihrem Alter.

Bei manchen Kindern kommt es allerdings auch zu einem gegenteiligen Verhalten. Ihre Depressionen äußern sich in extremer Unruhe und Hyperaktivität, sie sind zappelig, können sich nicht konzentrieren und keine Minute stillsitzen. Oft haben diese Kinder eine aufgesetzte Fröhlichkeit und wirken trotzdem immer irgendwie freudlos. Mit zunehmendem Alter und Intelligenz nehmen Selbstmordgedanken und -fantasien immer konkretere Formen an.

Depressionen in der Pubertät

Dass Kinder und Jugendliche in der Pubertät zu Stimmungsschwankungen neigen, ist normal, aber bei Jungendlichen mit Depressionen sind diese "Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt" Stimmungen, wesentlich ausgeprägter als bei anderen Jugendlichen. Dazu kommt, dass depressive Kinder oft extrem verschlossen oder gereizt und mit sich und der Welt unzufrieden sind.

Während man bei mental gesunden Jugendlichen in der Pubertät einen Zugang zu ihrer Persönlichkeit findet, lehnen depressive Kinder Hilfe von Erwachsenen kategorisch und vehement ab. Sie empfinden diese "helfende Hand" häufig als Schwäche und lassen sich ihrer Meinung nach, von Erwachsenen nicht bevormunden. Stattdessen greifen sie eher zu "Selbstheilungsverfahren", nicht selten in Form von Alkohol und Drogen. Besonders Mädchen sind während einer Depression in der Pubertät gefährdet. Ihr Essverhalten kann sich drastisch ändern, sie sind anfällig für extreme Essstörungen und leiden häufig unter Bulimie (Ess-Brech-Sucht) oder unter Anorexie (Magersucht).

Viele Jugendliche leiden unter schweren Schlafstörungen und finden oft nur unter Mühen aus dem Bett, sie versuchen ihre Probleme im wahrsten Sinne des Wortes zu verschlafen. Depressive Jugendliche neigen zum Grübeln und haben Minderwertigkeitskomplexe. Sie fühlen sich emotional und sozial ausgegrenzt und total überfordert. Irgendwann wird der emotionale Druck so groß, dass viele Jugendliche keinen anderen Ausweg mehr sehen, als sich selbst zu töten. In keinem anderen Lebensabschnitt ist die Gefährdung durch Selbsttötung so groß, wie in den Jahren der Pubertät. Laut einer Schätzung unternehmen 10% aller Kinder und Jugendlichen zwischen dem 15. und dem 19. Lebensjahr, die unter Depressionen leiden, mindestens einen Suizidversuch.

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